Logopädie
Kindlicher Mundschluss
Der Mundschluss des Kindes beeinflusst Atmung, Zungenlage sowie die Entwicklung von Kiefer und Zähnen. Eine dauerhafte Mundöffnung kann Wachstum und Wohlbefinden beeinträchtigen, daher ist eine frühzeitige Beobachtung und ggf. Behandlung wichtig.
Drei Formen im Überblick
Eine dauerhaft offene Mundhaltung oder Mundatmung kann sich ungünstig auf Wachstum, Haltung und Wohlbefinden auswirken, weshalb eine frühzeitige Beobachtung und gegebenenfalls Behandlung sinnvoll ist. Ich unterscheide drei Formen:
Offene Mundhaltung
Zunge oder Zähne sind sichtbar, oder ein Spalt zwischen den Lippen bleibt offen.
Mundatmung
Die Atemluft strömt überwiegend an den Lippen vorbei statt durch die Nase.
Gepresster Mundschluss
Die Lippen werden mit sichtbarer Muskelspannung zusammengepresst.
Offene Mundhaltung – was bedeutet das?
Eine offene Mundhaltung erkennt man schnell:
- Die Zunge ist sichtbar.
- Die Zähne sind sichtbar.
- Oder es ist ein kleiner Spalt zwischen Ober‑ und Unterlippe sichtbar.
Tritt das tagsüber oder nachts regelmäßig auf, spricht man von einem unvollständigen Mundschluss oder einer offenen Mundhaltung.
Was passiert im Mund?
Bei offener Mundhaltung senkt sich der Unterkiefer ab. Die Zunge, die physiologischerweise am Gaumen „ruht“, gerät unter Spannung und verliert ihren Halt. Der Speichel reicht dann nicht mehr aus, um die Zunge oben zu halten, sodass sie nach unten sinkt und ihre Zungenruhelage am Gaumen verlässt.
Häufig wandert die Zunge weiter nach vorne und liegt zwischen den Schneidezähnen. Gleichzeitig verändert sich das Druckverhältnis im Nasen‑Mund‑Rachenraum, was die Nasenatmung beeinträchtigen und eine Umstellung auf eine überwiegende Mundatmung begünstigen kann.
Langfristig kann eine chronisch offene Mundhaltung mitverantwortlich dafür sein, dass sich Kiefer‑ und Zahnstellung ungünstig entwickeln und muskuläre Spannungen in Kopf‑ und Nackenbereich zunehmen.
Mundatmung – wenn die Nase „Pause macht“
Mundatmung bedeutet: Der Mund ist offen und die Ein‑ und Ausatemluft strömt an den Lippen vorbei, anstatt hauptsächlich durch die Nase zu gehen. Das ist bei einem kurzfristigen Infekt völlig normal, kann aber problematisch werden, wenn es dauerhaft so bleibt.
Welche Auswirkungen hat Mundatmung?
- Die Luft trocknet die Lippen aus.
- Das Kind leckt häufig über die Lippen, um sie zu befeuchten.
- Speichel trocknet die zarte Lippenhaut zusätzlich aus.
- Es können spröde, rissige Lippen und kleine Schuppen entstehen.
Der Teufelskreis: Je trockener und rissiger die Lippen, desto stärker der Drang zu lecken – und der Mund bleibt weiter offen. Gleichzeitig werden die Vorteile der Nasenatmung (z.B. Filterung, Erwärmung und Befeuchtung der Luft) kaum genutzt, was auch für die allgemeine Gesundheit eine Rolle spielt.
Gepresster Mundschluss – wenn „zu fest“ auch ein Hinweis ist
Einen gepressten Mundschluss erkennt man daran, dass die Lippen schmal wirken, sich feine Falten um den Mund bilden, und die Lippen nicht locker aufeinander liegen, sondern mit deutlich sichtbarer Muskelspannung zusammengepresst werden.
Was bedeutet ein gepresster Mundschluss?
Ein solcher Mundschluss ist auf Dauer viel zu anstrengend, um ihn konstant zu halten. Häufig ist er ein Hinweis darauf, dass eigentlich eine offene Mundhaltung vorliegt und das Kind versucht, diese aktiv zu kompensieren. Kinder mit gepresstem Mundschluss zeigen eine erhöhte Muskelspannung im Lippen‑ und Mundbereich.
Wer einmal kurz die Lippen kräftig zusammendrückt, spürt vermutlich ein „Kribbeln“ oder eine Spannung – das sind Nervensignale, die ans Gehirn weitergeleitet werden. So kann das sensible Nervensystem über längere Zeit überstimuliert werden.
Wie hängt das alles zusammen?
Offene Mundhaltung, Mundatmung und gepresster Mundschluss können sich gegenseitig beeinflussen:
- Offene Mundhaltung begünstigt Mundatmung.
- Um Essen und Trinken nicht nach vorne aus dem Mund laufen zu lassen, pressen Kinder gelegentlich die Lippen zusammen.
- Durch diesen gepressten Mundschluss wird zwar kurzzeitig dicht „abgeschlossen“, aber die zugrunde liegende offene Mundhaltung bleibt bestehen.
Dieser Kreislauf hört in der Regel nicht von alleine auf und sollte daher logopädisch bzw. myofunktionell abgeklärt und behandelt werden. Frühzeitig unterstützte Kinder haben bessere Chancen auf eine gesunde Entwicklung von Atmung, Zungenlage und Kiefer.
Wann sollte gehandelt werden?
Genauer hinschauen oder fachlichen Rat einholen lohnt sich, wenn beim Kind häufig beobachtet wird:
- Mund steht tagsüber oder nachts offen.
- Das Kind atmet überwiegend durch den Mund.
- Die Lippen wirken oft trocken, rissig oder werden ständig abgeleckt.
- Es gibt Auffälligkeiten beim Schlucken oder Sprechen.
Logopädie, ggf. in Zusammenarbeit mit HNO, Kinderarzt oder Kieferorthopädie, kann hier helfen, die Ursachen zu klären und einen passenden Behandlungsplan zu erstellen.
Der nächste Schritt
Wenn Sie beim Mundschluss Ihres Kindes unsicher sind, beraten wir Sie gerne. Mehr zu unserer Logopädie in Bochum oder direkt einen Termin über Kontakt vereinbaren.
