Logopädie
Mundschluss beim Kind fördern
Viele Kinder gewöhnen sich an eine offene Mundhaltung oder Mundatmung – mit einfachen Übungen lässt sich ein Kind liebevoll dabei unterstützen, den Mund wieder häufiger zu schließen.
Drei Schritte im Überblick
Viele Kinder gewöhnen sich an eine offene Mundhaltung oder Mundatmung – mit einfachen Übungen lässt sich ein Kind liebevoll dabei unterstützen, den Mund wieder häufiger zu schließen. Ich arbeite dabei mit drei Schritten:
- Nasenatmung ermöglichen
- Lippen sensibilisieren
- Mundschluss im Alltag üben
Schritt 1: Nasenatmung muss möglich sein
Was hat die Nase mit dem Mund zu tun?
Damit ein Kind den Mund dauerhaft geschlossen halten kann, sollte es überwiegend durch die Nase atmen können. Ist die Nasenatmung erschwert, „springt“ der Körper automatisch auf Mundatmung um – und der Mund bleibt offen.
Folgende Punkte sollten ärztlich abgeklärt sein:
- Polypen/Adenoide blockieren die Nasengänge nicht
- Keine dauerhafte starke Allergie oder chronischer Schnupfen
- Nasenscheidewand (Septum) ist im Wesentlichen intakt
Sind medizinische Ursachen behandelt oder ausgeschlossen, kann spielerisch mit der Nasenatmung gestartet werden.
Nasenatmung spielerisch fördern
Riechen im Alltag
Macht die Nase spannend! Riecht zusammen an:
- Gewürzen, Kräutern und Lebensmitteln in der Küche
- Parfüm, Shampoo, Duschgel und Cremes im Bad
Lassen Sie das Kind beschreiben, ob ein Geruch stark/schwach, angenehm/unangenehm ist.
Inhalieren
Warmer Wasserdampf (z.B. mit einer Schüssel und Handtuch oder einem Inhalationsgerät, je nach Alter) kann die Nasenschleimhaut abschwellen und die Nase spürbarer machen.
Wichtig: Immer kindgerecht, sicher und ggf. nach Rücksprache mit Arzt/Ärztin.
Nase entdecken
Nehmen Sie gemeinsam einen Spiegel:
- Wie sieht meine Nase aus? Groß, klein, eher schmal?
- Sind die Nasenlöcher gleich groß?
- Kann ich mit den Nasenflügeln wackeln?
Wenn Kinder ihre Nase interessant finden, nutzen sie sie auch lieber – und das unterstützt die Nasenatmung.
Schritt 2: Die Lippen müssen „wissen“, dass sie zusammengehören
Warum sind die Lippen so wichtig?
In der kindlichen Entwicklung bauen sich Nervenbahnen erst nach und nach auf. Reize wie Druck, Reibung oder Zug helfen, diese Bahnen zu entwickeln. Die Lippen sind besonders empfindlich, weil dort viele Nervenenden sitzen – schon Neugeborene brauchen das zum Saugen. Diese sensiblen Nerven sind auch ein Schlüssel für einen physiologischen Mundschluss.
Kinder, die wenig orale Erfahrungen machen (wenig erkunden mit Mund/Lippen), können eher zu einer offenen Mundhaltung neigen.
Übungen, um die Lippen zu sensibilisieren
Mit dem Mund experimentieren
Vormachen und das Kind nachmachen lassen:
- Kussmünder auf Papier, Spiegel oder Fenster „küssen“
- Verschiedene Lebensmittel (z.B. Joghurt, Saft, Schokolade) mit dem Finger an die Lippen streichen und ablecken
So wird der Mund wieder mehr gespürt.
Gegenstände mit den Lippen erkunden
Sichere Gegenstände auswählen, die mit den Lippen ertastet werden dürfen, z.B.:
- kleine Spielfiguren
- Löffel oder Gabeln aus Edelstahl
- Kunststoff‑ oder Holzgegenstände
Mit geschlossenen Augen wird daraus ein Ratespiel: „Welches Tier spüren Sie?“
Mit den Fingern essen
Bestimmte Mahlzeiten mit den Fingern essen lassen – gern auch selbst mitmachen. So wird der Bereich um Lippen und Mund noch intensiver stimuliert.
Spezifische Materialien nutzen
Manche Hilfsmittel können gezielt unterstützen, z.B.:
- Zahnbürste
- Therapiesauger
- Kaunudel / Grabber
Wie genau das beim Kind sinnvoll eingesetzt werden kann, kläre ich gerne individuell mit Ihnen. Buchen Sie dafür einfach eine kurze Beratung – dann schauen wir uns Ihre Situation an und ich gebe passende Übungen für zu Hause mit.
Schritt 3: Der Mund lernt, im Alltag geschlossen zu bleiben
Auch wenn die Nasenatmung funktioniert und die Lippen gut sensibilisiert sind, weiß der Mund noch nicht automatisch, dass er im Alltag geschlossen bleiben soll. Das ist ein Lernprozess, der Zeit braucht – ähnlich wie das Erlernen einer neuen Gewohnheit.
Für diesen Schritt eignen sich:
- kleine Erinnerungsrituale im Alltag („Zunge oben, Lippen zu“)
- spielerische Übungen beim Lesen, Basteln oder Fernsehen
- kindgerechte, kurze Übungsphasen statt „Dauertraining“
Konkrete Übungen wähle ich immer so, dass sie zum Kind, zum Alltag und eventuellen Begleitfaktoren (z.B. Zahnstellung, Sprachentwicklung) passen. Mehr dazu erzähle ich gerne in einem persönlichen Termin – online oder in meiner Praxis. So erhalten Sie genau die Übungen, die das Kind wirklich weiterbringen.
Der nächste Schritt
Wenn Sie den Mundschluss Ihres Kindes gezielt fördern möchten, begleiten wir Sie mit passenden Übungen und einer klaren Einordnung. Mehr zu unserer Logopädie in Bochum oder direkt einen Termin über Kontakt vereinbaren.
