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Logopädie

Wenn Schlucken plötzlich unsicher wird

Dysphagie bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson, MS oder ALS – Phasen des Schluckens, Warnzeichen und Unterstützung durch Logopädie und Physiotherapie bei Reha Pro Med.

Dysphagie bei neurologischen Erkrankungen

Schlucken ist etwas, worüber man normalerweise nicht nachdenkt – bis es nicht mehr zuverlässig funktioniert. Nach einem Schlaganfall oder bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Multipler Sklerose oder ALS kann genau das passieren: Schlucken wird anstrengend, unsicher und manchmal sogar gefährlich.

Was ist Dysphagie?

Dysphagie ist der Fachbegriff für eine Schluckstörung. Sie bedeutet nicht nur „schwer Schlucken", sondern beschreibt Störungen in einem komplexen Zusammenspiel aus Mund, Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Atmung und Haltung.

Dysphagien treten häufig auf bei:

  • Schlaganfall
  • Morbus Parkinson und atypischen Parkinsonsyndromen
  • Multipler Sklerose (MS)
  • Amyotropher Lateralsklerose (ALS)
  • anderen neurodegenerativen Erkrankungen wie z. B. bestimmten Demenzformen

Diese Erkrankungen können Kraft, Beweglichkeit und Koordination der Muskulatur im Mund-, Gesichts- und Rachenbereich beeinträchtigen – und damit den gesamten Schluckvorgang.

Die Phasen des Schluckens – und was gestört sein kann

Schlucken besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Phasen, die normalerweise unbewusst ablaufen. Wer versteht, was in jeder Phase passiert, erkennt auch leichter, wo Probleme entstehen können.

1. Präorale Phase – alles vor dem ersten Bissen

Hier geht es um alles, was vor dem eigentlichen Essen passiert:

  • Wahrnehmen von Hunger, Durst, Appetit
  • Erkennen von Nahrung (Anblick, Geruch, Konsistenz)
  • Motivation, überhaupt zu essen oder zu trinken

Gestört sein kann zum Beispiel:

  • fehlender Appetit oder Abneigung gegen bestimmte Konsistenzen
  • kognitive Probleme (z. B. Demenz), sodass Essen „vergessen" oder nicht als solches erkannt wird
  • reduzierte Aufmerksamkeit – die Person ist mit dem Essen schnell überfordert

Diese Phase wird oft unterschätzt, ist aber wichtig, damit Essen überhaupt sicher beginnen kann.

2. Orale Phase – im Mund

In dieser Phase wird Nahrung im Mund vorbereitet:

  • Kauen
  • mit Speichel mischen
  • mit der Zunge zu einem „Bissen" formen
  • kontrolliert nach hinten in den Rachen transportieren

Gestört sein kann zum Beispiel:

  • schwache Lippen – Nahrung oder Flüssigkeit läuft aus dem Mund
  • eingeschränkte Zungenbewegung – Speisen bleiben liegen, werden schlecht transportiert
  • vermindertes Kauen – große Stücke werden geschluckt, statt gut zerkaut

Die Folge: Essen dauert lange, es bleiben Reste im Mund, und das Risiko steigt, sich zu verschlucken.

3. Pharyngeale Phase – im Rachen

Jetzt beginnt der Teil, der für Sicherheit besonders wichtig ist:

  • Der Schluckreflex wird ausgelöst.
  • Der Kehlkopf hebt sich und schließt die Atemwege.
  • Der „Deckel" (Kehldeckel) legt sich über die Luftröhre.
  • Der Bissen wird durch den Rachen in die Speiseröhre befördert.

Gestört sein kann zum Beispiel:

  • verzögerter oder schwacher Schluckreflex
  • unzureichendes Schließen der Atemwege
  • „falscher Weg": Nahrung oder Flüssigkeit gelangt in die Luftröhre

Das kann zu Hustenanfällen, „Verschlucken" und im schlimmsten Fall zu stiller Aspiration (Eindringen von Nahrung in die Lunge ohne sichtbaren Husten) und Lungenentzündungen führen.

4. Ösophageale Phase – in der Speiseröhre

Hier transportiert die Speiseröhre die Nahrung in den Magen.

Gestört sein kann zum Beispiel:

  • verlangsamter Transport
  • Rückfluss (Reflux)
  • Druck- oder Steckenbleibgefühl hinter dem Brustbein

Auch wenn diese Phase eher in den Bereich der Inneren Medizin/Gastroenterologie fällt, spielt sie im Gesamtbild der Dysphagie eine Rolle.

Typische Anzeichen einer Schluckstörung

Für Betroffene oder Angehörige können sichtbar werden:

  • häufiges Husten oder Räuspern beim Essen und Trinken
  • „nasse", gurgelnde Stimme nach dem Schlucken
  • Essen dauert viel länger als früher
  • Nahrung bleibt im Mund oder in den Wangen liegen
  • Speichel oder Flüssigkeit laufen aus dem Mund
  • plötzlicher Gewichtsverlust, weniger Appetit
  • wiederkehrende Lungenentzündungen

Wichtig: Viele Betroffene schämen sich oder versuchen, Schwierigkeiten zu verbergen. Es hilft sehr, wenn das Umfeld aufmerksam, aber nicht drängend reagiert.

Wie Logopädie unterstützen kann

In der Logopädie schauen wir uns den Schluckvorgang genau an und passen die Behandlung an die Möglichkeiten und Ziele an. Mögliche Inhalte sind:

  • Übungen für Lippen, Zunge, Wangen und Kiefer, um Kraft und Beweglichkeit zu verbessern
  • Training eines sicheren Schluckreflexes und besserer Schluckkoordination
  • Übungen für eine bessere Husten- und Atemkontrolle
  • Anpassung von Ess- und Trinktechniken (z. B. bestimmte Kopfhaltungen, Schluckstrategien)
  • Empfehlungen zur Konsistenz von Nahrung und Flüssigkeiten (z. B. Andicken, weiche Kost), in Abstimmung mit Ärztinnen/Ärzten und ggf. Ernährungstherapie
  • Beratung für Angehörige: Wie kann man am Tisch unterstützen, ohne Druck aufzubauen?

Ziel ist immer, so sicher wie möglich essen und trinken zu können – und dass Mahlzeiten wieder etwas von ihrer Normalität und Freude zurückbekommen.

Wie Physiotherapie zusätzlich hilft

Physiotherapie ist bei neurologisch bedingten Schluckstörungen eine wertvolle Ergänzung. Sie unterstützt unter anderem durch:

  • Training einer stabilen, aufrechten Sitz- oder Stehposition für das Essen
  • Mobilisation von Hals-, Brust- und Schulterbereich, damit Atmung und Haltung besser zusammenspielen
  • Atemtherapie, um die Lungenfunktion zu unterstützen und effektiv abzuhusten
  • Förderung von Kraft und Ausdauer im Alltag, damit Essen nicht zur „Marathonaufgabe" wird

Eine gute Körperhaltung und eine ruhige, effiziente Atmung sind die Basis für sicheres Schlucken.

Unterstützung bei Reha Pro Med in Bochum

In unserer Praxis Reha Pro Med in Bochum arbeiten Logopädie und Physiotherapie Hand in Hand. Wir bieten Betroffenen und Angehörigen:

  • eine sorgfältige Einschätzung der Schluckfunktion
  • individuell abgestimmtes Schlucktraining in der Logopädie
  • Haltungs- und Atemtherapie in der Physiotherapie
  • alltagsnahe Strategien für zu Hause und im Pflegealltag
  • eine wertschätzende, ruhige Atmosphäre, in der Fragen Platz haben

Der nächste Schritt

Wenn Essen unsicher geworden ist, häufiger gehustet wird oder Schlucken immer anstrengender wird, lohnt es sich, nicht zu lange zu warten. Je früher hingeschaut wird, desto besser kann man unterstützen. Melden Sie sich gern bei uns in der Praxis. Mehr zu unserem Logopädie-Angebot und Physiotherapie in Bochum oder direkt einen Termin über Kontakt vereinbaren. Wir gehen den Weg gemeinsam – Schritt für Schritt, im eigenen Tempo.